Wähle die richtige Samplingstrategie

Überblick über Stichprobenstrategien in der qualitativen Forschung


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Dekorationsbild für Samplingstrategien

Einführung in die Stichprobenwahl (das Sampling) in der qualitativen Forschung


Die Auswahl der besten Samplingmethode in qualitativer Forschung ist eine Herausforderung bei der wir dir helfen möchten. Die Stichprobenwahl in der qualitativen Forschung ist oft ein gezielter und strategischer Prozess (engl. "purpuseful sampling"), der auf Tiefe statt auf Breite abzielt. Im Gegensatz zur quantitativen Forschung, die sich auf Zufallsstichproben für die Generalisierbarkeit stützt, konzentriert sich die qualitative Forschung auf die Auswahl informationsreicher Fälle, die detaillierte Einblicke in ein Phänomen bieten (Patton, 2015).

Die Wahl der Samplingstrategie hängt von den Forschungszielen, dem theoretischen Rahmen und dem methodischen Ansatz ab. Einige Strategien zielen darauf ab, Vielfalt zu erfassen, während andere sich auf theoretische Sättigung oder Zugänglichkeit konzentrieren. Das Verständnis dieser unterschiedlichen Strategien hilft Forschenden, Glaubwürdigkeit, Transferability und Rigorosität in ihren Studien zu stärken (Lincoln & Guba, 1985).


Wichtige qalitative Stichprobenstrategien


In der qualitativen Forschung bestimmt die Wahl der richtigen Stichprobenstrategie die Tiefe und Richtung einer Studie. Verschiedene Ansätze bieten je nach Forschungsziel einzigartige Vorteile – einige setzen auf Flexibilität und neue Erkenntnisse, während andere typische Erfahrungen oder vielfältige Perspektiven erfassen. Beispielsweise ermöglichen theoretisches Sampling und opportunistisches Sampling, dass Forschende ihre Strategie an neue Erkenntnisse anpassen, während Criterion-Sampling und Typical-Case-Sampling eine Konsistenz in der Teilnehmerauswahl gewährleisten. Weitere Strategien, wie Deviant-Case-Sampling oder Polar-Sampling, heben Gegensätze hervor, die Annahmen infrage stellen und Theorien verfeinern können. Ein Verständnis dieser Methoden hilft Forschenden, Studien zu gestalten, die bedeutungsvolle und ausgewogene Erkenntnisse liefern.
Im Folgenden geben wir einen strukturierten Überblick über Samplingstrategien, und erklären wann eine bestimmte Strategie am besten geeignet ist, welche Stärken sie hat und welche Einschränkungen es gibt.

Theoretisches Sampling

Theoretisches Sampling ist eine zentrale Strategie in der Grounded Theory-Forschung (Glaser & Strauss, 1967). Anders als vorab geplante Stichprobenansätze ist theoretisches Sampling ein iterativer Prozess, bei dem Datenerhebung und Analyse gleichzeitig stattfinden und die Forschenden dazu anleiten, neue Fälle basierend auf entstehenden Erkenntnissen auszuwählen. Dies stellt sicher, dass Kategorien vollständig entwickelt sind, bevor die Datenerhebung beendet wird. Das Kriterium für das Beenden dieses Prozesses wird als Theoretische Sättigung bezeichnet.
  • Wann verwenden: In Grounded Theory-Studien oder bei der Verfeinerung entstehender Konzepte.
  • Stärken: Unterstützt die Entwicklung von Theorien und die Konzepterweiterung.
  • Grenzen: Erfordert Flexibilität, da Stichprobenentscheidungen sich mit der Datenanalyse weiterentwickeln.

Typical-Case-Sampling

Das Typical-Case-Sampling wählt Teilnehmende oder Fälle aus, die die Norm in einem bestimmten Kontext repräsentieren (Yin, 2018). Diese Methode ist besonders nützlich, wenn das Ziel beschreibend statt explorativ ist.
  • Wann verwenden: Wenn alltägliche Praktiken in einem bestimmten Umfeld untersucht werden.
  • Stärken: Ermöglicht ein realistisches Verständnis des Phänomens.
  • Grenzen: Könnte marginalisierte oder extreme Perspektiven ausschließen.

Deviant-Case-Sampling

Diese Sampling-Methode konzentriert sich auf außergewöhnliche oder ungewöhnliche Fälle, um Einblicke in Ausreißer zu gewinnen (Flyvbjerg, 2006). Beispielsweise könnte ein Forschender, der die Leistung von Organisationen untersucht, sowohl die leistungsstärksten als auch die leistungsschwächsten Teams auswählen, um Faktoren für Erfolg oder Misserfolg zu analysieren.
  • Wann verwenden: Wenn Ausreißer einzigartige Einblicke in ein Phänomen liefern.
  • Stärken: Hilft, Annahmen zu hinterfragen und neue Theorien zu entwickeln.
  • Grenzen: Ergebnisse sind möglicherweise nicht auf Durchschnittsfälle übertragbar.

Polar-Sampling

Polar-Sampling wählt Fälle an entgegengesetzten Enden eines Spektrums aus, um eine vergleichende Analyse zu ermöglichen. Dies wird häufig in der Organisations- oder Verhaltensforschung verwendet.
  • Wann verwenden: Wenn gegensätzliche Standpunkte untersucht werden (z. B. zufriedenste vs. unzufriedenste Mitarbeitende).
  • Stärken: Hebt wichtige Unterschiede hervor, die ein Phänomen beeinflussen.
  • Grenzen: Ergebnisse repräsentieren möglicherweise nicht mittlere Perspektiven.

Snowball-Sampling

Snowball-Sampling wird verwendet, wenn Teilnehmende schwer zu finden sind oder zu versteckten Populationen gehören (Biernacki & Waldorf, 1981). In dieser Methode rekrutieren bestehende Teilnehmende neue Teilnehmende, wodurch eine netzwerkbasierte Stichprobe entsteht. Diese Methode wird häufig in Studien mit marginalisierten Gruppen eingesetzt.
  • Wann verwenden: Wenn die Zielgruppe schwer zugänglich ist (z. B. undokumentierte Arbeiter, Geflüchtete).
  • Stärken: Erweitert den Zugang zu sonst unerreichbaren Teilnehmenden.
  • Grenzen: Kann zu Auswahl-Bias führen, da Teilnehmende Personen aus ihrem eigenen Netzwerk rekrutieren.

Criterion-Sampling

Criterion-Sampling (Kriterienstichproben) wählt Teilnehmende aus, die bestimmte, vordefinierte Kriterien erfüllen, die für die Forschungsfrage relevant sind (Moustakas, 1994). Sie werden häufig in phänomenologischen Studien verwendet, in denen alle Teilnehmenden ein bestimmtes Phänomen erlebt haben müssen.
  • Wann verwenden: In Studien, in denen einheitliche Teilnehmermerkmale erforderlich sind.
  • Stärken: Gewährleistet Homogenität zwischen den Fällen und erleichtert Vergleiche.
  • Grenzen: Kann wertvolle Perspektiven ausschließen, wenn die Kriterien zu eng gefasst sind.

Maximum-Variation-Sampling

Diese Sampling-Strategie wird verwendet, um ein breites Spektrum an Perspektiven innerhalb eines Phänomens zu erfassen (Patton, 2015). Forschende wählen Teilnehmende mit unterschiedlichen Merkmalen, Hintergründen oder Erfahrungen aus, um gemeinsame Muster und Variationen zu untersuchen.
  • Wann verwenden: Wenn Übertragbarkeit und ein umfassendes Verständnis angestrebt werden.
  • Stärken: Erhöht die Vergleichbarkeit, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt werden.
  • Grenzen: Komplexe Datenanalyse aufgrund hoher Variabilität der Antworten.

Opportunistic-Sampling

Opportunistisches Sampling ermöglicht es Forschenden, die Stichprobenwahl basierend auf unerwarteten Möglichkeiten während der Feldforschung anzupassen. Sie wird häufig in ethnografischer Forschung verwendet, bei der Forschende neue Teilnehmende organisch identifizieren können.
  • Wann verwenden: Wenn Feldforschung mit sich entwickelnden Forschungsfragen durchgeführt wird.
  • Stärken: Bietet Flexibilität in dynamischen Forschungssituationen.
  • Grenzen: Risiko der Inkonsistenz, wenn nicht sorgfältig dokumentiert. Eingeschränkte Übertragbarkeit.


Besonderheiten in der qualitativen Forschung


Im Gegensatz zu quantitativen Stichprobenstragegien, die häufig auf Repräsentativität für eine Population abzielen, betonen qualitative Stichprobenstrategien oft die Relevanz im individuellen Kontext. Sie stellen sicher, dass die Teilnehmenden einen bedeutenden Beitrag zur Forschungsfrage leisten. Ein wesentlicher Vorteil besteht in der Möglichkeit, detaillierte Narrative zu erfassen, die Bedeutungen, Prozesse und gelebte Erfahrungen erklären (Denzin & Lincoln, 2018).

Allerdings bringt qualitative Stichprobenziehung auch Herausforderungen mit sich. Da sie auf dem Urteil der Forschenden basiert, besteht das Risiko einer Auswahlverzerrung. Zudem können kleine Stichprobengrößen die Verallgemeinerbarkeit einschränken. Dennoch priorisiert qualitative Forschung die Übertragbarkeit gegenüber der statistischen Generalisierbarkeit, sodass Erkenntnisse auf ähnliche Kontexte angewendet werden können.


Fazit


Die Wahl der besten Samplingstrategie ist entscheidend, um die Tiefe, Glaubwürdigkeit und Rigorosität der qualitativen Forschung zu gewährleisten. Während theoretisches Sampling die Entwicklung aufkommender Theorien unterstützen, erfasst Maximal-Variation-Sampling diverse Erfahrungen. Snowball-Sampling ermöglicht dagegen den Zugang zu schwer erreichbaren Populationen, während Polar-Sampling kontrastierende Perspektiven aufzeigen. Alle Samplingstrategien haben ihre eigenen Stärken und Grenzen, und du solltest die Strategie wählen, die am besten zur deiner Forschungsfrage und zum methodischen Rahmen passt.

Durch die systematische Dokumentation von Stichprobenentscheidungen können Forschende, die QDAcity nutzen, Transparenz und Konsistenz verbessern und sicherstellen, dass ihre Studien sowohl methodisch fundiert als auch analytisch robust sind.


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